Götter als Sunnyboys

Nicole Claudia Weber überzeugt mit gelungener Neuinszenierung von „Orpheus in der Unterwelt“. Die Operette feiert im Velodrom-Theater in Regensburg Premiere. Bild: Martin Sigmund

Es gibt Operetten, die durch eine traditionelle und klischeebeladene Inszenierung besonders ermüden. So auch „Orpheus in der Unterwelt“ bei der ein Regisseur die Freiräume für Kreativität und Humor erkennen und nutzen muss.
Jacques Offenbachs 1858 in Paris uraufgeführtes Werk bedarf einer stetigen Modernisierung, um seine Zuschauer zu unterhalten. Und genau darin liegt die Stärke der aktuellen Inszenierung durch Nicole Claudia Weber am Theater Regensburg. Denn die Regisseurin beweist ein beeindruckendes Gespür für den Stoff und stellt zusammen mit den Ausstattern Karl Fehringer und Judith Leikauf eine fesselnde Produktion auf die Bühne, die von der ersten bis zur letzten Minute auf hohem Niveau unterhält.

Musiklehrer Orpheus

Ob das nun der teuflische Pluto im Rockabilly-Look inklusive der ausufernden Koteletten ist, oder der Gott Merkur, der im weißen Anzug und offenem Hawaiihemd als Sunnyboy seinem Chef Jupiter Nachrichten auf dem Tretroller überbringt oder die spießige Eigenheimsiedlung mit Satellitenschüssel, in welcher der Musiklehrer Orpheus und seine Eurydike ihr irdisches Dasein fristen, all das hat Witz, Raffinesse und Originalität. Hinzu kommen dann noch kleine videotechnische Einfälle wie das Projizieren von Eurydikes Abschiedsbrief in den Himmel über der Eigenheimsiedlung oder effektvolle Beleuchtungen, welche die spannungsgeladene Atmosphäre zusätzlich verdichten. Alle Bewegungsabläufe sind hervorragend durchdacht und komplettieren somit das beeindruckende Regie-Konzept.

Dass die Premiere der „Opéra bouffe“ so erfolgreich ist, liegt auch an den zahlreichen, treffend besetzten Schauspielern. Das gilt für den mit starker Bühnenpräsenz agierenden Seymur Karimov als Götterchef Jupiter wie für Matthias Laferi als Orpheus, Brent L. Damkier als Pluto, Christiana Knaus als Juno, Theodora Varga als Eurydike und Christian Schossig als Merkur. Aber auch all die anderen Beteiligten, inklusive der von Alistair Lilley gewohnt souverän einstudierte Chor, komplettieren den fesselnden Gesamteindruck auf bereichernde Weise.

Orchester erhöht Spannung

Letzteres gilt auch für das von Tom Woods geleitete Orchester, das an diesem Premierenabend mit dem Bühnengeschehen durchwegs in einer lebendigen Kommunikation stand und sämtliche Spannungsbögen und dynamischen Nuancen auszuloten weiß. So war der sehr intensive und anhaltende Applaus bei der Premiere im gut gefüllten Regensburger Theater im Velodrom in jeder Hinsicht gerechtfertigt.

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Jack Peterson
Doctor Schiwago
About
Freax