Mozart mit feinstem Gespür

Sophie-Mayuko Vetter spielte am Theater Regensburg das  Klavierkonzert B-Dur: ein spannender Dialog mit den Orchestermusikern.

VON GERHARD DIETEL, MZ

REGENSBURG.Vorwiegend im Zeichen Mozarts steht das vierte Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters, mit Ausnahme des Eröffnungsstücks: Der für reine Streicherbesetzung geschriebene „Canto III“ des finnischen Zeitgenossen Einojuhani Rautavaara erweist sich als Komposition im Geist einer archaisierenden Moderne. Mit kantig geschichteten Klangblöcken warten die Streicher des an diesem Abend vom stellvertretenden Regensburger Generalmusikdirektor Tom Woods geleiteten Orchesters auf, zunächst in ganz ruhiger Erzählhaltung, dann mit mehreren großen ekstatischen Steigerungen, wo die Musik in Tremolo-Schauern aufbrodelt, an rhythmischer Aggressivität gewinnt oder sich in Sequenzierungen bis in gleißende Höhen emporschraubt. Warum Rautavaara diese eindrucksvolle Komposition als „A Portrait of the Artist at a Certain Moment“ bezeichnet hat, darüber darf der Hörer am Schluss ebenso rätseln wie zuvor.

Empfindsamkeit und Virtuosität

Solistin des Abends ist die Pianistin Sophie-Mayuko Vetter. Der Klaviermusikexperte Joachim Kaiser bezeichnete sie einmal anerkennend als „nicht nur perfekte Pianistin“ sondern auch „überaus empfindsame Musikerin“. Wie zutreffend diese Charakterisierung ist, erlebt das Publikum im Neuhaussaal, als Sophie-Mayuko Vetter den Solopart in Mozarts B-Dur-Klavierkonzert KV 456 gestaltet. Leichtflüssig ist ihr Spiel, doch nie zu leichtgewichtig, stets durchsichtig und filigran. Wunderbar ausbalanciert verwebt es sich mit dem Orchesterklang, den Tom Woods außerhalb der Tutti-Abschnitte vorzüglich diskret hält, oder tritt in einen Dialog mit Streichern und Bläsern. Wunderbare dynamische Feinabstufungen innerhalb des Leisen gelingen der Pianistin im langsamen Mittelsatz mit seinem sehnsüchtigen g-Moll-Thema, wo sie mit ihren Fiorituren das gelegentlich dramatisch sich steigerende Orchester zu besänftigen scheint. Mit kecken Jagdtönen lässt sie sich schließlich im Finalsatz vernehmen, dessen Schlusskadenz es ihr erlaubt, auch die virtuosen Seiten ihrer Kunst herauszustellen.

Die triumphale Wiederkehr

Mozarts Geist waltet abermals nach der Pause, wenn auch aus spätromantischer Distanz betrachtet. Das schlichte Andante grazioso-Thema aus Mozarts A-Dur-Klaviersonate lässt Max Reger in seinen Mozart-Variationen anfangs noch ganz unschuldig im Wechsel von Bläser- und Streichersatz ertönen, bevor es allerhand Fährnisse erlebt, bei denen seine Kontur im Rausch von Regers Fantasie zeitweise ganz in den Hintergrund tritt. Die fünfte Variation, „quasi presto“, bildet die Peripetie: ein Stück bizarren Humors, das als Scherzo beginnt, aber immer wieder von Momenten nachdenklichen Innehaltens unterbrochen wird. Noch einmal kommt das Mozartsche Original weitgehend abhanden: in der meditativen vorletzten Variation, die Tom Woods als „das Herz des Ganzen“ nach dem anhaltenden Schlussapplaus der Zuhörer wiederholen lässt. Regers Finale zeugt dagegen von Arbeit und Mühe: einen schier ewigen Anlauf unternehmen die an diesem Abend glänzend aufgelegten Musiker des Philharmonischen Orchesters, bevor die weit gespannte Schlussfuge in eine triumphale Wiederkehr von Mozarts Thema münden darf.

Das Konzert wird am Donnerstag, 5. März, um 19.30 Uhr im Neuhaussaal im Theater am Bismarckplatz wiederholt.



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