So klingen Trumps Tweets am Stadttheater Regensburg

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So klingen Trumps Tweets am Stadttheater Regensburg

Über Twitter lässt der US-amerikanische Präsident Donald Trump die Welt gerne wissen, was ihn bewegt. Diese Tweets regten wiederum Tom Woods, den Kapellmeister des Regensburger Orchesters, zu seiner Komposition an: Tom Woods, gebürtiger Australier, ist einer von Trumps Followern. Jeden Tag liest er, was Trump so von sich gibt. „Jeden Tag“, erklärt Woods, „stehe ich auf und das erste, was ich machen möchte, ist gucken, was Trump gestern geschrieben hat, weil es immer so eine Überraschung ist.“ Nach einer Weile sei ihm dann aufgefallen, dass Trumps Tweets ein wenig nach Musik klängen, Song-Qualität hätten. Es ist also nicht bloß der Inhalt der Tweets, der Tom Woods zu seiner Komposition animiert hat, der Dirigent und Komponist hat etwas Musikalisches in ihnen entdeckt .

Tweets wie Pop, Samba und Rock

Sechs Sätze, zusammen eine gute halbe Stunde dauern die „Trump Tweets“ nun. Am Anfang des Stücks erklärt Trump, warum er sich über Twitter an die Welt wendet: Nicht, weil er die sozialen Medien liebe, sondern weil es angeblich die einzige Chance sei, Falschmeldungen, sogenannte Fake News zu bekämpfen. Tom Woods: „Der Tweet ist natürlich ganz kurz, kurz und knackig. Das ist der Witz, denn ich habe versucht, eine Musik wie Pop oder Samba oder Rock’n’Roll, selbst auch kurz und knackig, wie ein Klassik-Stück mit Polyphonie mit Harmoniewechsel zu entwickeln.“

 Tom

Tom Woods

Einen eigenen Satz widmet Tom Woods Trumps Plan, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen. Da hat der Komponist ausnahmsweise keinen Tweet verarbeitet, sondern eine Rede von Donald Trump. Ein anderes Thema: Trumps Geringschätzung von Frauen.

Erst Bach, dann Trump

Brent Damkier singt die Tweets von Donald Trump, unterstützt vom Chor des Stadttheaters, der auf der Galerie des klassizistischen Neuhaus-Saales steht. Den Text wird man auch auf Deutsch mitlesen können. Die „Trump’s Tweets“ bilden den Schluss des fünften Sinfoniekonzertes des Philharmonischen Orchesters. Nach der Pause spielt es Bach, dann „Trump’s Tweets“. Es gehört zum Konzept der Regensburger Sinfoniekonzerte, auch zeitgenössische Kompositionen zu spielen, sagt Intendant Jens Neundorff von Enzberg: „Es gibt ja unterschiedliche Einschätzungen. Die einen sagen, wenn man Mozart mit Zeitgenossen kombiniert, ist das eine Täuschung des Publikums, aber darum geht’s nicht. Es geht eigentlich darum, zwei verschiedene Musikrichtungen gegenüber zu stellen, ohne wertend zu sein.“ Interesse wecken dafür, dass eben auch in der Gegenwart tolle Musik entsteht, das sei die Idee.

Am 1. und 4. April 2019 im Neuhaus-Saal des Theaters Regensburg.

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